Biotechnologie

Die Biotechnologie ist keine Erfindung der Neuzeit. Schon vor mehreren tausend Jahren nutzten die Menschen Hefe, um Bier und Wein herzustellen oder verarbeiteten Milch zu Käse und Quark. Und doch kann die Biotechnologie auch als moderne Chance betrachtet werden, den Herausforderungen des 21. Jahrhunderts zu begegnen: schwindende Rohstoffressourcen, demographischer Wandel, Klimawandel sowie Energieversorgung. In ihrem Ausmaß betreffen diese Probleme die gesamte Gesellschaft, im Speziellen die Industrie. Deren bestehende Verfahren basieren noch immer vor allem auf Erdöl, welches bekanntermaßen schwindet. So müssen neue alternative Energie- und Rohstoffquellen gefunden werden. Ein Weg dorthin kann die Biotechnologie sein.

Ob wasserabweisende Blätter der Lotospflanze oder elastische und gleichzeitig hochbelastbare Spinnennetze – die Natur hält viele Mechanismen parat, die zur Nachahmung einladen. Der Aufbau und die Funktionsweise von Zellen beispielsweise können ein entscheidendes Vorbild für die Biotechnologie sein. Nun gilt es, diese zu analysieren und entsprechend zu imitieren. Ziel wird sein, diese Erkenntnisse im engen Zusammenwirken mit den Ingenieurwissenschaften in technische Anwendungen zu überführen und damit industriell nutzbare Alternativen zur lebenden Zelle zu entwickeln.

Der erste Schritt auf dem Weg zur „Gläsernen Zelle“ wird das Verständnis für die zellulären Vorgänge und deren Beschreibung sein. Versteht man, welche Stoffwechselvorgänge sich in einer Zelle vollziehen, kann man versuchen, diese nachzuempfinden und nachzubauen. Dadurch sind die Wissenschaftler nicht mehr darauf angewiesen, dass die Natur einen speziellen Wirkstoff für sie produziert, sondern sie können die Fähigkeiten der Natur in ihrem Sinne gezielt einsetzen. Das kann unter anderem bei der Suche und Herstellung von neuen medizinischen Wirkstoffen von enormem Vorteil sein.